Sonntag, 14. Oktober 2007

Korridorparties und Wesensveränderungen der Schweden

Auf die allwochenendlichen Korridorparties in Flogsta ist immer Verlass. Es würde nicht ein Wochenende vergehen, an dem nicht mindestens fünf Party-Optionen bestehen. Wenn in dem Korridor, in dem ich wohne, eine Party steigt, dann erlebe ich eine komplette Wesensveränderung meiner schwedischen
Korridornachbarn. So bald sie Alkohol trinken, sind sie beängstigend aufgeschlossen, sehr gesprächig und können sogar ein ungezwungenes Lächeln hervorbringen. Trinken sie noch etwas mehr Alkohol, können sie sogar nerven. Wenn jedoch der „Morgen danach“ gekommen ist, haben die Schweden wieder eine
komplette Wesensveränderung vollzogen. Anstatt nur freundlicher Ignoranz, die unter der Woche vorherrschend ist, kommt es am Sonntag zu einer vollkommenen Ignoranz seitens der Schweden. Am Sonntag schaffen es die meisten Schweden meines Korridors nicht einmal mehr beim „hej“ - Sagen den Kopf zu heben. Manche schaffen nicht einmal mehr das Wort „hej“ zu sagen.
Dieses Phänomen konnte ich mir noch nicht wirklich erklären. Schämen sie sich dafür, sich gestern mit dir unterhalten zu haben? Oder schämen sie sich dafür, dass sie sogar auf dem Korridor getanzt haben, so dass es jeder sehen konnte? Schämen sie sich so sehr dafür, dass sie auf Grund des Alkohols ihre freundliche Ignoranz in Aufgeschlossenheit verwandeln konnten? Oder schämen sie sich dafür, dass sie gezeigt haben, dass sie auch lachen und Spaß haben können? Vielleicht vertragen sie auch einfach nur nicht den Alkohol.
Ich muss mich wahrscheinlich damit abfinden, dass dieses Phänomen unerklärbar und unverständlich ist. Ich muss einfach hinnehmen, dass sie am Sonntag einen nur komplett ignorieren können. Unter der Woche normalisiert sich das Verhalten wieder auf freundliche Ignoranz und am Samstag sind sie wieder offenherzige Menschen. Wenn man sich auf diesen Kreislauf erstmal eingestellt hat, dann kann man auch sehr viel einfacher mit den Wesensveränderungen der Schweden umgehen und kann ihnen auch nicht wirklich böse sein. Aber nichtsdestrotz: es ist ein eigenartiges Phänomen!
Prof. Dr. Müller, FA für Substitutionsmedizin (Gast) - 14. Okt, 14:32

Diagnose

Wie von mir schon in mehreren populärwissenschaftlichen Liedern wiederholt dargelegt, ist kein Alhohol auch keine Lösung. Ich würde daher als ersten Behandlungsversuch für den Stamme der Schweden eine geringe, 2x täglich zu festen Zeiten einzunehmende Menge Alhohol vorschlagen. Sollte sich daraufhin keine wesentliche Besserung des Sozialverhaltens zeigen, kann eine Steigerung der Dosis bis zum nervenden Verhalten selbständig vorgenommen wenden.

Mit medizinischen Grüßen
Prof. Dr. Müller

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